Rechtsberatung im Metaverse. Welche Auswirkungen und Chancen ergeben sich daraus?

Das Metaversum soll der nächste Evolutionsschritt im Internet werden. Es handelt sich um eine von mehreren Nutzern gemeinsam genutzte immersive 3D-Umgebung, in der man mit anderen über Avatare interagieren kann. Ein virtueller Raum, in dem Internet und reales Leben miteinander verschmelzen. Der Social-Media-Gigant Facebook Inc. hat sich vor kurzem bereits in Meta Platforms, kurz Meta, umbenannt. Marc Zuckerberg hat angekündigt, sein Unternehmen wolle sich ganz auf die Entwicklung eines neuen Metaversums fokussieren.

Mit der passenden Technik soll sich die Metaversum-Umgebung wie das echte Leben anfühlen – mit allem, was wir kennen, von der Arbeit über das Spielen, den Handel, die Freundschaft oder die Liebe, so zumindest die Idee. Das Metaversum soll unser Leben um eine virtuelle Dimension erweitern, Milliarden fließen bereits in fiktive Immobilien und Kleidung.

Steuerrechtliches Neuland

Bei virtuellen Rechtsgeschäften im Metaversum ergeben sich allerdings viele ungeklärte Rechtsfragen im Zusammenhang mit Einnahmen. Das gilt sowohl für Einnahmen, die Kanzleien selbst erzielen, als auch für Einnahmen von Mandanten. Es ist davon auszugehen, dass im Metaversum vermehrt Zahlungen in Kryptowährungen erfolgen. Der rechtliche Umgang mit Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum oder Tether ist allerdings noch nicht in allen Punkten abschließend geklärt. Eine Zwangsvollstreckung in Bitcoins ist zum Beispiel nur möglich, wenn der Vollstreckungsgläubiger auch erwirkt, dass der Schuldner das Passwort für sein Bitcoin-Wallet preisgibt.

Bei der Vermietung von virtuellen Grundstücken im Metaversum stellt sich die Frage, ob diese der Umsatzsteuerplicht unterliegt. Mit dieser Frage musste sich das Finanzgericht Köln bereits beschäftigen. Es entschied, dass ein Spieler des Online-Spiels Second Life auf die Vermietung von virtuellem Land an andere Nutzer Umsatzsteuer zahlen muss, da der überwiegende Teil der Mieter in Deutschland ansässig war. Das Metaversum ist also kein rechtsfreier Raum ohne Steuerpflicht. Wer im Metaversum Einnahmen erzielt, sollte sich im Zweifel Rat bei einem qualifizierten Rechtsanwalt oder Steuerberater einholen. Nur so lassen sich in komplizierten Fällen Probleme mit dem Finanzamt bei der nächsten Umsatzsteuererklärung vermeiden.

Kanzleipartner als Avatare

Für Akteure auf dem Markt für Rechtsberatung bedeutet das Metaversum Herausforderung und Chance zugleich. Beim Recruiting auf dem Stellenmarkt für Juristen wird ‚Metaversum-Kompetenz‘ ein neues, karriererelevantes Soft-Skill-Kriterium für Juristenjobs. Das Metaversum bedingt, dass Kanzleien neue Präsenzen und Marktplätze im Metaversum benötigen und ihre Internetpräsenzen dann wohl ins Metaversum verlagern müssen. Corporate Design und die gesamte Unternehmenskommunikation sollten nach Möglichkeit metaversumtauglich sein. Man stelle sich Kanzleipartner als Avatare vor und Kanzleilogos, die als digitale Echtheitszertifikate, als so genannte Non-Fungible Token (NFT) geschützt sind.

Wenn ein Mandant sich Rechtsberatung im Metaversum holt und in Kryptowährung bezahlt, erfordert das neue Vertriebswege und Zahlungsabwicklung. Für die nahtlose Erfahrung im Metaversum und optimale Interoperabilität sollten sich Akteure des Rechtsmarkts auf einheitliche Strukturen und Schnittstellen einigen, was den Bereich Legal Tech mit umfasst.

Augmented Reality und Virtual Reality eröffnen völlig neue Möglichkeiten, wenn es um Mitarbeiterrekrutierung im Metaversum geht. Man denke an Rechtsberatung und Mandantengespräche in Augmented Reality (AR) und Kanzleimeetings und Branchenkongresse in Virtual Reality (VR).

Neue Geschäftsfelder und neue Rechtsfragen

Das Metaversum würde also eine ganze Reihe neuer Rechtsfragen und Herausforderungen mit sich bringen. Davon sind die verschiedensten Rechtsgebiete betroffen, etwa das Urheberrecht, das Wettbewerbsrecht und das Datenschutzrecht. Da im Metaversum auch digitaler Handel mit Assets möglich ist, sind auch Prospektpflichten im Wertpapier- und Bankenrecht berührt. Daraus ergeben sich vielfältige neue Geschäftsfelder für Anbieter auf dem Rechtsberatungsmarkt. Das Metaversum erlaubt zum Beispiel, Produkte aus Social Media heraus zu kaufen. Das ist dann auch für Dienstleistungen im Bereich der Rechtsberatung möglich.

Schon jetzt zeichnet sich aber ab, dass es nicht für jede neue Ausprägung des Metaversums rechtzeitig eine gesetzliche Regelung gibt. Dies führt zu gewisser Rechtsunsicherheit, z. B. was Wettbewerbsfragen betrifft. Für Kanzleien, die von ihrer Rechtsform her in der Haftung nicht beschränkt sind, gilt das umso mehr. Es wird bereits vor rechtsfreien Räumen gewarnt, vergleichbar mit Teilen des heutigen Darknets. Es ist auch sehr wahrscheinlich, dass es neue Formen von Cyberkriminalität geben wird. Die IT-Sicherheit von Kanzleien muss darauf eingestellt sein.

Bislang ist vieles beim Metaversum noch Zukunftsmusik und beschränkt sich, wie im Fall von Meta Platforms, auf Ankündigungen. Es muss sich erst noch zeigen, wie bedeutend die Metaversum-Welt im Verhältnis zur realen sein wird und wie rentabel Investitionen ins Metaversum sein werden. Was im Metaversum alles möglich sein wird und welche neuen Geschäftsfelder es eröffnet, lässt sich heute nur erahnen.

Fazit

Das Metaversum bringt viele neue Rechtsfragen mit sich, insbesondere was die Besteuerung von Einnahmen betrifft, aber auch Zahlungen in Kryptowährungen. Betroffen sind die verschiedensten Rechtsgebiete. Daraus ergeben sich vielfältige neue Geschäftsfelder. Für Kanzleien bedeutet dies in erster Linie, gut auf die Neuerung vorbereitet zu sein. Kanzleien benötigen neue Präsenzen und Marktplätze im Metaversum und werden sich damit auseinandersetzen müssen, ihre Internetpräsenzen ins Metaversum zu verlagern. Corporate Design und die gesamte Unternehmenskommunikation werden dann wohl metaversumtauglich sein müssen. „Metaversum“-Kompetenz wird ein neues Soft-Skill-Kriterium für den Berufseinstieg als Jura-Absolvent und den Anwalts-Job. Für Kanzleien empfiehlt es sich, in Form einer Checklist rechtzeitig prüfen, wo unter Umständen Handlungsbedarf entsteht und diese Schritte rechtzeitig angehen. Einige der Fragen, mit denen man sich auseinandersetzten sollte, lauten: Sollte die Kanzlei im Metaversum präsent sein? Wie sehen die technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen dafür aus? Wie lassen sich auf den bestehenden Rechtsgebieten der Kanzlei neue Geschäftsfelder mit Bezug zum Metaversum erschließen?

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