Helfer in der Not: Warum Projektjurist:innen immer gefragter sind

Sie sind Jurist:innen, die aushelfen, wenn es brennt, etwa bei großen Investigations. Sie sind Spezialist:innen auf ihrem Gebiet und flexibel einsetzbar. Und es gibt sie in allen Senioritätsstufen – Berufseinsteiger:innen bis hin zu erfahrenen Fachkräften. Projektjurist:innen on demand sind im Trend.

Das Modell funktioniert so: Eine Rechtsabteilung oder Kanzlei definiert einen Bedarf und formuliert mit einem Personaldienstleister wie PERCONEX Anforderungen an Jurist:innen on demand. Auf dieser Grundlage sucht der Personaldienstleister in seiner Datenbank oder startet einen Rekrutierungsprozess. Der Arbeitsvertrag besteht zwischen den Jurist:innen und dem Personaldienstleister, der die Arbeitsleistung den Kund:innen überlässt. Im Gegensatz zu Freelancern arbeiten Jurist:innen on demand nicht auf Rechnung, sondern erhalten das Gehalt vom Personaldienstleister.

Gegenüber festangestellten Jurist:innen oder der Beauftragung von Rechtsanwaltskanzleien bietet der Einsatz von Projektjurist:innen eine Reihe von Vorteilen:
Großkanzleien, die attraktive Gehälter zahlen, erwarten Wochenarbeitszeiten von 60 Stunden und mehr. Immer mehr Absolvent:innen; aber auch Berufserfahrene fordern eine ausreichende Work-Life-Balance und gerade junge Jurist:innen nimmt die Bereitschaft zur Selbstausbeutung ab. Auch ohne bei einer Großkanzlei anzuheuern, können Absolvent:innen in Projekten eine vergleichbar hohe Vergütung erzielen. Selbst wenn sie nicht zwei Prädikatsexamen vorweisen können. Gleichzeitig erlaubt das Modell, den Arbeitsumfang im Überblick zu behalten. Anders als bei Festanstellungen in Kanzleien, können Jurist:innen on demand gegebenenfalls auch eine eigene Kanzlei führen. Die Tätigkeit als Projektjurist:in erlaubt es, in verschiedene Bereiche hineinzuschauen und kann als Karrieresprungbrett dienen. Manche nutzen diese Tätigkeit, um die Wartezeit bis zum LL.M.-Studium oder auf eine Stelle als Richter:in zu überbrücken oder gar um die eigene Promotion zu finanzieren.

Für Auftraggeber bieten Jurist:innen on demand ebenfalls einen Reihe von Vorteilen:
Die Einsatzmöglichkeiten von Projektjurist:innen sind so vielfältig wie ihre individuellen Fähigkeiten, Hintergründe und Spezialgebiete.

Ihr Einsatz erhöht nicht die Fixkosten und es fallen keine Urlaubs- und Krankheitskosten für Unternehmen oder Kanzleien an. Werden Jurist:innen on demand eingesetzt, müssen in Zeiten mit weniger Arbeitsanfall keineKündigungen stattfinden. Dieser Vorteil lässt sich mit befristeten Anstellungen nicht erreichen, da das Teilzeitbefristungsgesetz mehrmalige Befristungen nur beschränkt zulässt.

Projektjurist:innen können Engpässe, beispielsweise während Elternzeit, überbrücken oder Auslastungsspitzen auffangen. Die Einbindung von Jurist:innen on demand erlaubt Ihnen, größere oder zusätzliche Mandate anzunehmen. Das gilt sowohl für reguläre Mandate als auch für Fälle, bei denen einmaliges Spezialwissen erforderlich ist. Der Einsatz von Leihjurist:innen ist gerade für Unternehmen kostengünstiger als eine Kanzlei oder Secondees zu beauftragen. Während externe Kanzleien für First-Year-Associates Stundensätze von 200 bis 400 Euro berechnen, fallen bei Projektjurist:innen nur ein Bruchteil dieser Kosten an.

 

Drei Fragen an Andreas Mohr, Geschäftsführer von PERCONEX

Herr Mohr, im Bereich Arbeitnehmerüberlassung ist PERCONEX der einzige auf Jurist:innen spezialisierte Personaldienstleister in Deutschland. In den USA sind „Contract Attorneys“ weiter verbreitet. Woran liegt das? Brauchen wir in Deutschland einen Kulturwandel?

Grundsätzlich schon, weil Vorbehalte und Ängste verbreitet sind. Die Juristerei in Deutschland ist noch sehr konservativ geprägt. Deshalb werden andere Dienstleistungen grundsätzlich mit ein wenig Argwohn betrachtet oder sie finden mit gewissem Zeitversatz Berücksichtigung. In Deutschland ist das Rechtsdienstleistungsgesetz sehr eng, das heißt: Relativ viel wird als Rechtsdienstleistung angesehen. Daher ist der Markt sehr stark reglementiert und alternative Dienstleistungen, die einen Bezug zur Juristerei haben, haben es in Deutschland nicht so einfach, wie in den USA oder Großbritannien. Dort ist der Markt viel viel liberaler. Es gibt z.B. (nicht wie in Deutschland) das sogenannte Fremdbesitzverbot. In Deutschland dürfen an einer Kanzlei oder einem Unternehmen, Rechtsdienstleistungen erbracht werden, wenn nur Anwälte und Anwältinnen beteiligt sind. Es darf also kein fremder Dritter mit Rechtsdienstleistungen Geld verdienen. Das schränkt natürlich die Entfaltungsmöglichkeiten ein, was Alternative Legal Services Provider oder alternative Rechtsdienstleistungen angeht.

Stört es Sie, wenn man Sie als „Uber“ für Juristen bezeichnet?

Nein, das stört mich nicht. Wobei es natürlich schon, was die Besitzstandswahrung des Berufsstandes angeht vielleicht sogar ähnlich ist, da sich Anwälte und Anwältinnen irgendwie bedroht fühlen. Aber am Ende des Tages schaffen wir bei PERCONEX Arbeitsplätze. Wir stehen faktisch nicht in Konkurrenz zu Kanzleien, weil wir gerade keine Rechtsdienstleistungen erbringen. Wir stehen auch nicht in Konkurrenz zu Rechtsabteilungen. Wir stehen, wenn überhaupt in Konkurrenz zu befristeten Direktanstellungen. Wir bieten keine substituierende Dienstleistung an, sondern eine sinnvolle und ergänzende.

Der Markt alternativer Rechtsdienstleister und Projektjurist:innen verändert sich rasant – die Konkurrenz wuchs mit Vario Legal und Centurion Plus. Was bietet PERCONEX, was die Konkurrenz nicht bietet?

Das grundsätzlich andere Geschäftsmodell. Wir vermitteln eben nicht nur an Unternehmen, sondern auch an Kanzleien, das heißt man hat ein viel größeres Spektrum an potenziellen Einsatzorten oder Einsatzmöglichkeiten. Wir decken damit die komplette Bandbreite ab – von Berufseinsteiger:innen bis hin zu den Seniors – in diesem Fall auf die Berufserfahrung bezogen – haben wir den ganzen Markt abgedeckt und auch das ganze Berufsbild von Jurist:innen. Im Gegensatz zu unserem Geschäftsmodell findet bei der Interimstätigkeit ein höher frequentierter Wechsel mit unsicheren Zwischenzeiten statt. Plus die Tatsache, dass Interimsjurist:innen sich um das komplette Thema Krankenversicherung, Rentenversicherung selbständig kümmern müssen und es keine Arbeitgeberzuschüsse gibt. Darüber hinaus kann gegebenenfalls das Risiko der Scheinselbstständigkeit entstehen.


Bild: © yogysic – iStock / ID #1054589872

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